Statur eines nackten Olympioniken.

Schon mehrmals habe ich mich an dieser Stelle über Olympia ausgelassen. Über die Kosten, über die Korruption, über das Feigenblatt, das die Mächtigen vor ihre sinkenden Umfragewerte halten. Doch ich hatte einen Sinneswandel! Es war Conference Cup Dinner, bezahlt von Ihren Steuergeldern, und am Buffet hatte ich eine Erscheinung.

Ein von Nike gesandter Lichtstrahl traf mein verstocktes Herz und mir wurde klar: Olympia ist doch eigentlich eine ganz feine Sache. Schwitzende Athletinnen, die um den Sieg der Goldmedaille ringen, jubelnde Fans, die nebenbei all ihr Erspartes in das Stadtsäckel schmeißen, neue Sporthallen und Straßen überall. Darum möchte ich für meine Kleingeistigkeit um Entschuldigung bitten. Natürlich könnten wir Schulen für das ganze Olympiageld bauen, aber wozu? Ist dem jungen Menschen mit einem goldenen Traum von Olympia nicht viel mehr geholfen, als mit funktionierenden Schultoiletten? Die kaputten Schulen sind in 20 Jahren vergessen. Eine (vielleicht) (ganz leicht) überteuerte Olympiasause – die vergisst man nicht mehr so schnell!

Deshalb stimmt es mich natürlich froh, dass Leipzig einfach gar keinen Bürgerentscheid veranstaltet. Sonst endet es noch wie in Hamburg: Mit einer krachenden Ablehnung. Und das kann ja keiner wollen.

Katharina Subat, Stadträtin (Die PARTEI)
Veröffentlicht im Amtsblatt der Stadt Leipzig am 06. Juni 2026