Ein schon mehrere Jahre im Verfahren gärender Antrag kam nun – in der Ratsversammlung am 29. April 2026 – auf die Tagesordnung. Eingebracht von der Sicherheits-Partei CDU wurden Forderungen nach mehr Licht, mehr Polizei und mehr Zaun.

Dass Hauptbahnhöfe Orte sind, an denen viele Menschen sich aufhalten, und damit auch rein statistisch viel Unfug getrieben wird, sollte eigentlich bekannt sein. Aber dann ließe sich natürlich nicht mehr so gut gegen die Armut und den Dreck agitieren, den man nun gerade dort nicht haben will.

Hier die Rede im Volltext zum Nachlesen. Es gilt das versprochene Wort:

„Hallo Leipzig,

heute also das sogenannte CDU-„Sicherheitspaket“ für den Hauptbahnhof.
Wenn man diese grammatikalische Perle von einem Antrag liest, könnte man fast meinen, der Leipziger Hauptbahnhof sei eine Mischung aus Drogenhandel-Hotspot, deviantem Verhalten und Görlitzer Park.
Klingt eigentlich ganz spannend.
Wie eine richtige Großstadt.
Babylon Leipzig, oder so ähnlich…

Doch meine Enttäuschung war groß. Denn ich war schon dort, am Hauptbahnhof. Sogar mehrfach. Und leider musste ich feststellen: die Versprechungen von Blaulicht und Highlife, die die CDU in ihrem Antrag macht – alles heiße Luft. Weder wurden mir am Hbf Drogen angeboten, noch kam dieses typische Görli-Flair auf.
(Als Kreuzberg-Friedrichshainerin kenn ich mich aus.)

Stattdessen: Pendlerinnen und Pendler. Studis. Menschen, die einfach nur auf den Zug warten. Oder (Zitat Promenaden Hbf) „in einem der schönsten und interessantesten Shoppingcenter Deutschlands auf 3 Ebenen“ in „142 Geschäften mit den Schwerpunkten Mode, Food, Unterhaltungselektronik und einem umfassenden Service- und Dienstleistungsangebot“ mal „schön shoppen“ gehen.Die Situation wird von der CDU also – heillos übertrieben. Einzelne Vorfälle werden zum allgemeinen Dauerzustand verherrlicht. Politisch gewinnbringend möchte man hier einen 2 Jahre alten Antrag auf die Bühne ziehen und einfach mal wieder die immergleiche Soße von „Sicherheitsgefühlen“ auftischen.

Kleiner Faktencheck:

Nach Aussage der Promenaden Leipzig passieren TÄGLICH ca. 135.000 Menschen den Hauptbahnhof – also pro Jahr 49,2 Millionen. Mehr als die Hälfte der Deutschen Bevölkerung.
Und wieviel Kilogramm Drogen wurden im Jahr 2023 beschlagnahmt?
2. In Worten: Zwei.

Wissen Sie, wieviele Milligramm pro Besucher das sind?
4 Hunderstel Milligramm.

Zum Vergleich: Wenn jeder dieser „Dosen“ eine Tablette wäre, müssten Sie 10.000 davon schlucken, um auf eine IBU 400 zu kommen.

Diebstähle wurden 1367 begangen. Bei 50 Millionen Passantinnen. Wahnsinn.

Durchsucht wurden 2.500 Menschen, „nur“ kontrolliert nochmal doppelt so viele. Leider schreibt die CDU – und wahrscheinlich auch die Statistik – nichts davon, ob das alles verschiedene Personen waren. Oder, wie ja anzunehmen ist, immer wieder dieselben Leute. Man kennt ja seine Pappenheimer.

Nicht ganz unrecht hat die CDU allerdings mit dem folgenden Satz:
Diese Zahlen sorgen für Verunsicherung, einer merklich geringen Nutzung der Parkanlagen und einer deutlichen Verschlechterung der Aufenthaltsqualität.

Das ist wohl absolut korrekt.

Wenn ich andauernd befürchten muss, von denselben Wachtmeisterinnen belästigt zu werden, sorgt das bei mir für Verunsicherung.
Wenn ich merke, dass der Schwanenteich-Park ständig von Behelmten Polizeitrupps durchkämmt wird, auf der Suche nach Wildpinklern, dann nimmt die Nutzung der Parkanlagen merklich ab.
Wenn ich weiß, dass uns regelmäßig der Geflüchtete Kleinstmengendealer als dicker Fisch, als Sächsischer Pablo Escobar verkauft wird, dann macht mir das richtig schlechte Laune und sorgt ganz gewiss für eine deutliche Verschlechterung der Aufenthaltsqualität.
Bei so einer nervigen Schikane sind die 941 Gewalttaten schon fast nachvollziehbar.

Und auch Kein Wunder, dass der Zuzug stockt.
Wenn Sie also Leipzig zu einer Stadt verzwergen wollen, die schon am Bahnhof die Leute mit grimmigen Patrouillen empfängt, der muss sich nicht wundern, wenn demnächst das „Junge, hippe Leipzig“ den Johann Sebastian runtergeht.

Wir von der PARTEI lehnen diesen Antrag entschieden ab und halten es mit unseren PARTEI-Ultraras wie im Stadion: Stimmung statt Sicherheit.“