Mit einem neuerlichen Coup hat die AfD im Stadtrat erneut für großes Staunen gesorgt. Unsere Stadträtin Katharina Subat ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, die kommunalpolitische Nichtigkeit der besagten Fraktion (die im Übrigen kürzlich einen wirklich echten Rechtsextremen von den Freien Sachsen in ihre Reihen aufgenommen hat) aufzuzeigen. Gefordert waren „Blumenampeln“ um das Stadtbild zu „verschönern“ und sogar das Klima und die Biodiversität zu verbessern. Für Katharina Subat ist das lediglich „florale Augenwischerei“.
Hier die Rede im Volltext zum Nachlesen. Es gilt das versprochene Wort.
Ein AfD-Antrag, blumig wie eine verschneite Winterwiese.
Während Leipzig mit steigenden Mieten, überlasteter Verwaltung, kaputten Schulen und dem Klimawandel kämpft, sagt die AfD: Halt! Stopp!
Erstmal die Laternen bepflanzen, die sähen ach so nackig aus. Letzten Monat waren es noch nacksche Kaiser, heute sind‘s also nacksche Pfähle.
Doch dieser Antrag ist nicht nur harmlos dekorativ, er ist politisch entlarvend. Denn Blumenampeln sind hier kein Beitrag zur Stadtverschönerung, sondern ein symbolisches Feigenblatt. Man hängt etwas Hübsches auf, um zu verdecken, dass darunter nichts Substanzielles passiert. Das passt erstaunlich gut zur politischen Arbeitsweise der Antragsteller.
Und dann diese romantische Vorstellung:
Blumenampeln als Ordnungsmacht!
Als Bollwerk gegen Verwahrlosung!
Als kulturelle Leitpflanze!
Ich sehe sie schon vor mir, die Petunien, die streng auf den Gehweg herabblicken.
Der Blumenkübel – ein städtischer Blockwart der Respekt und Leitkultur einflößt!
Ökologisch fragwürdige Blumenampeln sind teuer in der Pflege, wasserintensiv und haben mit echter Stadtbegrünung ungefähr so viel zu tun, wie Plastikpalmen mit dem Auwald. Sie helfen weder dem Stadtklima, noch der Biodiversität.
Sie vermitteln das Gefühl, irgendetwas getan zu haben, ohne wirklich etwas zu tun.
(Ungefähr so, als würde ein gestandener Sozialist SPD wählen.)
Und genau hier treffen sich Antrag und Absender: viel Aufwand für die Inszenierung, wenig Nutzen für die Allgemeinheit. Man hängt etwas auf, das – im besten Fall! -„nett“ aussieht, und im schlimmsten Fall den Eindruck vermittelt, man wäre in der Innenstadt von Würzburg.
Aber Wurzeln? Hat sie keine.
Auch das ist eine erstaunlich passende Metapher.
Leipzig braucht keine Symbolpolitik an Laternenmasten. Leipzig braucht Investitionen in echte Grünflächen, in Bäume mit Erde darunter, nicht in Blumenkörbe mit Ablaufdatum. Und Leipzig braucht ganz sicher keine AfD, die glaubt, man könne gesellschaftliche Probleme mit Geranien überdecken.
Deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. Nicht, weil wir Blumen hassen – im Gegenteil. Sondern weil wir diese Stadt ernst nehmen. Und weil wir der Meinung sind, dass Politik mehr sein sollte als florale Augenwischerei.
